:: ROVERETO :: 12.-13.9.2017

:: ITALIEN ::

3. TREFFEN ZUR ORGANISATIONSENTWICKLUNG

 

Das dritte Treffen war zugleich das letzte und rundete die beiden vorherigen in Bern und London hervorragend ab. Dieses Mal wurde von den Projektpartnern vertieft, was es braucht, um eine Aufführung für das Publikum barrierefrei zugänglich zu machen. Im einzelnen wurde dabei genannt: Bei kleinen Personen oder Rollstuhlfahrern ist zu berücksichtigen, dass ihre Sicht gewährleistet ist; bei der Audiodeskription eines Tanzstücks für ein blindes Publikum ist es wichtig zu bedenken, dass die Übersetzung von Tanz in Sprache allgemein schwierig ist und dass es sehr unterschiedliche Stile der Audiodeskription und sehr unterschiedliche Bedürfnisse des blinden Publikums gibt, dass es sich aber bewährt hat, Sehbehinderten vorher eine Datei zukommen zu lassen; in Hinblick auf ein gehörloses Publikum sollte nicht gefragt werden, ob jemand eine Übersetzung in Gebärdensprache brauche, sondern sie sollte von vorne herein angeboten werden und im Programm sollte vermerkt sein, was übersetzt wird; ebenso sollte es selbstverständlich sein, das Publikumsgespräch nach der Aufführung nur mit einer Übersetzung in Gebärdensprache anzubieten. Um Aufführungen wirklich barrierefrei zugänglich zu machen, wurde auch empfohlen, einen Beirat von behinderten Menschen zu schaffen, der dann seine Erfahrungen unmittelbar einbringen könne. Da die Komplexität des Themas insgesamt sehr hoch sei, so fassten die Projektpartner ihre bisherigen Erfahrungen zusammen, brauche es viel Kommunikation zwischen den Beteiligten.

Über Skype wurde dann Eckhard Thiemann, international tätiger Kurator, Manager und Produzent im Tanz, zugeschaltet. Trotz der schlechten technischen Verbindung entstand mit ihm ein lebhafter Austausch darüber,was die Qualität eines Tanzstücks ausmacht. Für ihn bestimmt sie sich nicht nur aus dem Stück, sondern zuerst einmal aus dem Zusammenhang, in dem es steht, nämlich dem des gesamten Programms, zu dem es gehört, dem gesellschaftlichen Zusammenhang und dem tänzerischen; sie ergibt sich für ihn dann weiterhin aus der Bewusstheit des Künstlers über die Ergebnisse, die er erreicht hat, und aus der Echtheit der Bewegung. Insofern hat sich seiner Meinung nach ein integriertes Tanzstück auf den Tanz-Diskurs und auf den der Behinderung zu beziehen. Aus seiner Perspektive mangelt es derzeit allgemein an Tanzstücken von behinderten Choreographen, aber, so hob er hervor, dürfe es auch nicht nur im Zeitgenössischen Tanz um integrierte Stücke gehen.

Im weiteren befassten sich die Partner damit, wie sie ihre Arbeit noch wirkungsvoller machen könnten. Dabei ging es zum einen darum, sich darüber klar zu werden, wer genau die Zielgruppe ist, die sie erreichen wollen; für den Umgang mit ihr wurde es dann als wichtig genannt, möglichst einen persönlichen Kontakt herzustellen und den Betreffenden Tanz als ihre Sache nahezubringen. Zum anderen wurde dargestellt, wie wichtig kritische Freunde sind, um die eigene Organisation voranzubringen; es habe sich bewährt, so wurde gesagt, sie fortlaufend in den Prozess einzubeziehen.

Da es das letzte Arbeitstreffen war, stellten die Projektpartner abschließend fest, was sie durch ihre Teilnahme gewonnen hatten. Zum einen wurden die persönlichen Beziehungen genannt, die in der Zusammenarbeit entstanden sind bzw. sich vertieft haben und die Rückhalt für die tägliche Arbeit geben; dann der Austausch von Ideen und Konzepten, der an sich wieder anregend gewirkt und die eigene Position geklärt hat; und als drittes die veränderte Perspektive auf die eigene Organisation und ihre Vernetzung. Für tanzfähig hob Evelyne Walser-Wohlfarter hervor, dass die Initiative für mehr körperliche Vielfalt im zeitgenössischen Tanz durch die Teilnahme an dem EU-Projekt viel mehr Aufmerksamkeit bekommen habe und viel ernster genommen worden sei als zuvor; und Bernhard Richarz als Co-Direktor von tanzfähig sah in den drei Arbeitstreffen eine hochwertige Fortbildung zur Leitung einer Tanzkompanie: Durch sie habe er Wissen erworben für den gesamten Prozess von der Idee eines Stückes bis zum Verkauf einer Produktion und darüber hinaus die Zuversicht, dabei aufkommende Schwierigkeiten handhaben zu können; wichtig waren für ihn gerade auch die Hintergrundinformationen von den erfahreneren Partnern des Projekts.

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