:: BERLIN :: 23.-24.8.17

:: DEUTSCHLAND ::

BERICHT KONFERENZ
„Tanz Körper Erweiterung :: Stretching the Physicality of Dance“

 

Mehr als 120 Personen nahmen an der Konferenz in den Räumlichkeiten der Uferstudios im Berliner Wedding teil und machten durch ihre Offenheit und lebhafte Beteiligung die Tagung zu einem großen Erfolg. Die verschiedenen Formate mit drei längeren Vorträgen und mit 13 Kurzbeiträgen in einem Forum, mit drei Arbeitsgruppen und zwei Panel-Diskussionen ergänzten sich abwechslungsvoll. Sie lieferten nicht nur reichhaltige Informationen, sondern regten auch die Teilnehmer dazu an, miteinander ins Gespräch zu kommen.

In seinem Grußwort unterstrich der Berliner Senator für kulturelle Angelegenheiten und Europa, Klaus Lederer, dass Diversität nicht nur kulturell gesehen werden kann; wesentlich gehört für ihn auch die durch Behinderung bedingte dazu. Joanne Lyons und Tanja Erhart von Candoco Dance Company veranschaulichten das Konferenzthema, indem sie von den allgemeinen Erfahrungen einer inklusiven Tanzkompanie und den persönlichen einer behinderten Tänzerin berichteten. Die Auseinandersetzung mit ihm wurde von den beiden Co-Leiter von tanzfähig, Evelyne Walser-Wohlfarter und Bernhard Richarz, vertieft, indem sie das tanzpädagogische und künstlerische Wirken ihrer Tanzinitaitive mit der Konstruktion von Andersheit in Geschichte und Gesellschaft verbanden. Die emeritierte Tanzprofessorin Brenda Dixon-Gottschild forderte die Teilnehmer auf, sich nicht mit diesen Umständen abzufinden, und stellte ihnen einige Tänzer vor, die sich dagegen erhoben hatten. Die Vielschichtigkeit des Themas zeigte sich im Forum, wo in rascher Abfolge der Beiträge Teilnehmer vorstellten, was sie bewegten oder was sie bewegte.

 

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Entsprechend ihren Interessen wandten sich die Teilnehmer_innen in den Arbeitsgruppen einzelnen Fragestellungen zu. Am meisten Zuspruch erhielt die von Silke Schönfleisch-Backofen moderierte Arbeitsgruppe, in der der Frage des Unterrichtens in Differenz nachgegangen wurde. Während hier das Anschauungsmaterial im Mittelpunkt stand, das von Susanne Schneider, Corinna Mindt und Katharina Senk eingebracht wurde, entstand in der von Karin Kirchhoff moderierten Arbeitsgruppe zum künstlerischen Gewinn körperlicher Vielfalt eine angeregte Arbeitsatmosphäre, nachdem Sigal Bergman das Projekt vorgestellt hatte, an dem sie beteiligt war. Kontrovers verlief die von Astrid Kaminski moderierte Arbeitsgruppe zur Virtuosität im erweiterten Tanzkörper, für die Lisette Reuter die Anregung aus der Praxis gegeben hatte. Im Plenum danach wurden die Ergebnisse der Arbeitsgruppen für alle Teilnehmenden zusammengefasst.

In mehreren Diskussionen wurde die Konferenz fortgesetzt. Mit gespannter Aufmerksamkeit folgten die Teilnehmer_innen den Ausführungen von Matan Zamir und Nicola Mascia im ersten Podiumsgespräch mit Ursula Schorn; eindruckvoll war dabei mitzuerleben, wie sich bei den Tänzern und Choreographen Person und Werk verbanden und sie in ihrer künstlerischen Gestaltung gesetzte Grenzen überschritten. Als danach Dodzi Dougban, Tanja Erhart und Anna Mülter zum zweiten Podiumsgespräch zusammenkamen, ging es unter der Gesprächsleitung von Susanne Quinten wesentlich darum, ausgehend von den jeweiligen Erfahrungen der drei Diskutanten zu bestimmen, was die richtigen Worten sein konnten, um im einzelnen das zu beschreiben, was mit dem Konferenzthema übergreifend bezeichnet war, aber auch, was es brauchte, es noch mehr in die Praxis umzusetzen. In der abschließenden offenen Diskussion mit allen Teilnehmern reihten sich in lockerer Assoziation verschiedene Bemerkungen aneinander, von ersten Überlegungen, was die Konferenz den Teilnehmern gebracht haben könnte, über den Blick zurück, wie sich in den vergangen fünf bis zehn Jahren der Umgang mit körperlicher Differenz im Tanz verändert hatte, hin zu dem Wunsch, das Thema in einer weiteren Tagung wieder aufzugreifen.

Für einige Teilnehmer_innen setzte sich die Beschäftigung mit dem erweiterten Tanzkörper unmittelbar nach der Konferenz fort. Nachdem es auf der Tagung nur in einem Aufwärmen, das von Evelyne Walser-Wohlfarter angeleitet war, die Gelegenheit gegeben hatte, sich selbst zu bewegen, stand im anschließenden, ebenfalls von tanzfähig mitveranstalteten Workshopfestival MeetShareDance der tänzerische Austausch im Mittelpunkt.

 

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Fotos: Ute Haufe

:: K O N F E R E N Z ::
TANZ KÖRPER ERWEITERUNG
STRETCHING THE PHYSICALITY OF DANCE
Berlin | 23. – 24. August 2017

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