BERNHARD RICHARZ

:: UNTERWEGS ZU EINER ÄSTHETIK DER DIFFERENZ ::
Vortragender gemeinsam mit Evelyne Walser-Wohlfarter

Von ihren beiden Leitern wird tanzfähig als Initiative für mehr körperliche Viellfalt im zeitgenössischen Tanz vorgestellt. Mit Bezug auf die mehr als zehnjährige Erfahrung wird erstens beschrieben, wie bisher das Anliegen der Initiative praktisch umgesetzt worden ist; wird zweitens die gesellschaftliche Verortung der Initiative reflektiert, wobei das Konzept der Andersheit herangezogen wird; und werden drittens einige Konsequenzen für das tänzerische Selbstverständnis erwogen, die sich für die Leiter daraus ergeben. Die Ausführungen werden mit kurzen Videos veranschaulicht.

In der praktischen Umsetzung geht die Initiative davon aus, dass zeitgenössischer Tanz als Kunstform zu wichtig ist, um ihn den wohltrainierten, jungen Körpern zu überlassen. Durch ihre künstlerische und tanzpädagogische Ausrichtung will die Initiative den Tanz um die Dimension der körperlichen Vielfalt bereichern und ihn zugleich allen zugänglich machen, die tanzen wollen, unabhängig von Alter, Herkunft oder Behinderung. Es erfolgt eine Abgrenzung zu Therapie oder soziokultureller Maßnahme. Bei der gesellschaftlichen Verortung gilt für die Initiative, dass Behinderungen jeglicher Art, kulturelle Prägungen und tänzerische Vorerfahrungen willkommen, aber nicht erforderlich sind. Verschiedene Formen des sozialen Umgangs mit den Anderen, die auch auf den Tanz einwirken, werden ebenso beschrieben wie Bedingungen ihrer Konstruktion. Daher erscheint es der Initiative wichtig, im Tanz die Unterschiedlichkeit der Körper wahrnehmbar zu machen, sich von deren Schönheit leiten zu lassen und ihre Vielfalt zu einem stimmigen Ganzen zu gestalten. Die tänzerische Praxis wird unter den Begriff einer Ästhetik der Differenz gefasst.

Es wird Einblick in den Prozess praktischer Arbeit und theoretischer Klärung gegeben. Bewusst wird eine Einordnung als inklusiv abgelehnt. Die Initiative will andere Institutionen des Tanzes anregen, sich unterschiedlicher Körperlichkeit zu öffnen.

 

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Bernhard Richarz
(58), Dr. med., ist in Freiburg i.Br. geboren. Seit seiner Kindheit lebt er mit einer Behinderung. Nach dem Studium der Medizin ist er als Arzt und Psychoanalytiker in München und Berlin tätig und beginnt, regelmäßig zu tanzen. Mit Unterricht bei Alito Alessi, Adam Benjamin, Jenny Haack, matanicola, Heini Nukari u.a. verschafft er sich seine eigene tänzerische Ausbildung. 2007 gründet er in Berlin tanzfähig und seit 2010 leitet er die Initiative für mehr körperliche Vielfalt im zeitgenössischen Tanz zusammen mit Evelyne Walser-Wohlfarter. Er organisiert Tanz, ist als Tänzer an verschiedenen Stücken beteiligt und unterrichtet zeitgenössischen Tanz und vor allem Improvisation.

www.tanzfaehig.com

:: K O N F E R E N Z ::
TANZ KÖRPER ERWEITERUNG
STRETCHING THE PHYSICALITY OF DANCE
Berlin | 23. – 24. August 2017

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