:: LONDON :: 9.-12.4.17

:: GROSSBRITANNIEN ::

DOPPELVERANSTALTUNG

Zweites Arbeitstreffen zur Organisationsentwicklung. Und: Erstes Treffen der künstlerischen Leitungen zum kreativen Austausch. Beides zusammen ergab vier Tage anregende und auch anstrengende Fortbildung zum erfolgreichen Betrieb einer Tanzkompagnie. Vieles wurde gesagt, was jetzt zu hören, aber erst später zu verwenden war. Während draußen eine ungewohnt warme Frühlingssonne schien und die Londoner scharenweise in überraschend leichter Sommerkleidung in die Parks strömen ließ, trafen sich die Projektpartner vollzählig im Leroy House, dem Sitz von Candoco. Dankenswerter Weise stellte Candoco als führender Partner des Projekts nicht nur die Veranstaltungsräume, sondern auch seine langjährige Erfahrung im Betrieb einer inklusiven Tanzkompanie von behinderten und nicht-behinderten Tänzern zur Verfügung. Nebenbei schrieben sich bei den Treffen die persönlichen Geschichten zwischen den Projektpartnern fort, angefangen von der zufälligen Begegnung auf dem Flughafen bei der Anreise, über die Gespräche bei den gemeinsamen Mahlzeiten bis hin zum abschließenden Besuch des Sharings in einem futuristischen Bau des Olympiageländes – da stellte die Londoner Kompagnie das eindrucksvolle Material vor, das Yasmeen Goddar mit ihr für ein neues Stück erarbeitet hatte.

An den ersten beiden Tagen der Veranstaltung ging es um organisatorische Gesichtspunkte, die für den Betrieb einer Tanzkompagnie wesentlich sind. Verschiedene Mitarbeiter von Candoco berichteten anschaulich aus ihren Arbeitsbereichen. Dabei wurde von ihnen u.a. dargelegt:

Für ein erfolgreiches Marketing hat eine Kompagnie sich ihrer Besonderheiten bewusst zu machen, sich in Text und Bild klar zu vermitteln und bei dem zu bleiben, was sich als richtig erwiesen hat. Es gilt aber auch: nichts ist verkehrt, bevor es nicht bewiesen ist.

In der Organisationsentwicklung ist eine Planung sinnvoll, die langfristig über fünf Jahre ausgerichtet ist und am besten schriftlich festgehalten wird. Immer wieder sind dabei neue Aktionen zu schaffen, um mit dem eigenen Anliegen voranzukommen und bei anderen im Gespräch zu bleiben. Für die tägliche Arbeit ist zu klären, was in der eigenen Organisation gemacht und was an andere abgegeben werden soll.

Bei der Nutzung sozialer Medien ist es gut zu wissen, wie die Kompagnie in der Öffentlichkeit in Erscheinung treten will, welche Eindrücke die Organisation verstärken und welche sie auslöschen will. Vor allem ist es angezeigt, nur dann etwas auszusenden, wenn man wirklich etwas mitzuteilen hat. Die Überlegungen, die es braucht, um die eigene Website barrierefrei zu machen, können erheblich dazu genutzt werden, das eigene Profil zu schärfen.

An den beiden anderen Tagen ging es dann mehr um künstlerische Gesichtspunkte. Im lebhaften Austausch der Partner wurde u.a. besprochen:

Die Planung von Produktionen ist langfristig anzulegen. Manche Kontakte zu Choreographen, aber auch zu Veranstaltern brauchen viel Zeit, um sich zu entwickeln, und eine erste Absage bedeutet noch lange kein dauerndes Nein.

Bei der Produktion selbst ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit von Choreographie und Produktion anzustreben, zu der auch regelmäßige Besprechungen gehören können. Es hat sich bewährt, wenn alle beteiligten Tänzer gleich bezahlt werden.

In den Verhandlungen mit den Veranstaltern ist nicht nur auf eine angemessene Honorierung zu achten, sondern auch auf die Barrierefreiheit – von der rollstuhlgerechten Toilette hinter der Bühne, über die Zugänglichkeit des Veranstaltungsortes bis hin zum Gebärdendolmetscher für das Publikumsgespräch danach.

In der Promotion gerade der Tänzer mit Behinderung ist von Seiten der Kompagnie das Künstlerische in den Mittelpunkt zu stellen. Denn die Erfahrung hat gezeigt, dass sich auf sie vielfach der bewundernde oder der neugierige Blick der Öffentlichkeit richtet, wie sie es geschafft haben, ihr Schicksal zu überwinden, aber nicht der realistische. Damit kann dann auch die künstlerische Aussage der körperlichen Vielfalt im Tanz bewahrt werden.

An allen vier Tagen befassten sich die Projektpartner außerdem noch mit der Umsetzung des EU-Projekts. Es waren nicht nur die nächsten Veranstaltungen zu terminieren und konzeptionell zu planen. Sondern es war auch zu bilanzieren, was bisher erreicht worden war. Von allen Partnern wurde zum einen betont, wie bedeutsam für sie und ihre Tätigkeit die Stärkung des internationalen Netzwerks war, und zum anderen ausgeführt, wie sie jeweils auf ihre lokalen Verhältnisse einwirken konnten, um den Gedanken der Inklusion im Tanz zu verbreiten.

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